Bei Flughafennamen darf geflunkert werden

Gerichte gewähren Airlines und Flughafenbetreibern große Spielräume bei der Namensgebung

Der Flughafen "Frankfurt-Hahn" hat den Anfang gemacht. Wer meint, der kleine Flughafen im Hunsrück läge direkt neben Frankfurt am Main, der täuscht sich gewaltig. Ganze 126 Kilometer trennen die Großstadt im Rhein-Main-Gebiet und den insbesondere von Billigairlines frequentierte Flughafen. Auch der Flughafen München-West kann kaum halten, was sein Name verspricht. Der Flughafen ist 110 Kilometer von München entfernt. "Da fragt man sich, wo der Verbraucherschutz bleibt. Aber es sind die Gerichte, die großzügig Spielräume für Flunkerei bei der Namensgebung schaffen", so Andreas Bippes M.A. vom großen Namensverzeichnis WelcherName.

So hat ein Gericht erlaubt, dass sich der Flughafen Frankfurt-Hahn genau so nennen darf. Es gibt neben Frankfurt-Hahn und München-West zahlreiche Fälle, wo so verfahren wird:

  • Der Flughafen Paris-Vatry/Disney liegt schier unglaubliche 160 Kilometer von Disneyland entfernt.
  • Um Barcelona herum gibt es mit Girona und Reus gleich zwei Flughäfen, die mit der Stadt werben aber 100 Kilometer von ihr entfernt liegen.
  • Ein beliebter Werbeträger für kleine Regionalflughäfen scheint London zu sein. Hier werben drei Flughäfen mit der Hauptstadt. Am weitesten entfernt ist London-Oxfort mit 100 Kilometern. Die Flughäfen London-Stansted und London-Southend sind rund 65 Kilometer von London entfernt. 
  • Mit 50 Kilometern gerade noch im Rahmen ist die Entfernung vom Flughafen Venedig-Treviso zur Lagunenstadt. 
  • 110 Kilometer sind es hingegen vom Flughafen Oslo-Torp bis zur norwegischen Hauptstadt Oslo. 

"Auch wenn die Namen der Flughäfen richterlichen Segen haben, kann für die Namensgeber schnell der Schuss nach hinten losgehen. Viele Passagiere ärgert es, dass sie im Niemandsland landen und lange mit Bus, Bahn oder Auto fahren müssen, um ihr Ziel zu erreichen", so Andreas Bippes von WelcherName.

Bild: chalabala - Fotolia

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