Können Vornamen verschwinden?

Jede Epoche hat seine Namen – viele Vornamen sind tatsächlich verschwunden

Jede Zeit hat ihre Vornamen. Namen unterliegen der Mode. Sind heute vor allem kurze Vornamen gebräuchlich, waren es zu früheren Zeiten biblische Vornamen oder Namen von Persönlichkeiten aus Klerus und Adel. Ein Blick zurück in das frühe 20. Jahrhundert: Um 1900 waren Vornamen sehr beliebt, die heute wieder modern sind. Oder es sind Kurzformen dieser Namen, die heute gerne genommen werden. 


Um 1900 waren Vornamen sehr beliebt, die heute wieder modern sind

So waren zu dieser Zeit Mädchennamen wie Anna, Anne, Clara, Dora, Elise, Elisabeth, Emma, Erna, Frieda, Helene, Ida, Luise, Martha, Maria, Marie sehr beliebt. Diese Vornamen finden sich auch heute unter den beliebtesten Mädchennamen. Vor rund 100 Jahren waren aber auch Vornamen sehr gebräuchlich, die man heute nicht mehr findet. Dazu zählen zum Beispiel Gertrud, Minna, Hertha oder Wilhelmine. 


Damals wie heute schön: Anna, Anne, Clara, Dora, Elise, Elisabeth, Emma, Frieda

Ganz ähnlich verhält es sich mit den Jungennamen. Absolute Spitzenreiter unter den Vornamen waren um 1900 Carl, Emil, Georg, Karl, Kurt, Max, Otto, Paul. Namen, die heute noch gebräuchlich sind. Der Vorname Max wurde gerade von der Gesellschaft für deutsche Sprache als beliebtester Jungenname 2015 ermittelt. Viel häufiger als bei den Mädchennamen finden sich unter den beliebten Jungennamen um 1900 Namen, die heute gar nicht mehr angesagt sind. Zum Beispiel Adolf, Friedrich, Heinrich, Wilhelm, Ernst, Walter.


Heute noch gebräuchlich: Carl, Emil, Georg, Karl, Kurt, Max, Otto, Paul

Anders sieht es aus mit Vornamen, die im Mittelalter (ca. 6. bis 15. Jahrhundert) in Gebrauch waren. Darunter noch heute geläufige Namen, von denen es oft skurrile Ausprägungen gab. Oft handelt es sich um biblische Namen oder Namen von Adeligen, Heiligen oder Kirchenfürsten: Hans, Heinz, Fritz, Hannes, Peter, Claus, Jakob, Wilhelm, Simon, Paulus, Thomas. Unter den Mädchennamen: Margret, Maria, Agnes, Anna, Dorothea, Ursula. Es finden sich aber auch Jungennamen und Mädchennamen, die schlichtweg ausgestorben sind: Jobst (m), Sebolt (m), Auberlin (m), Sixt (m), Linhart (m), Walburg (w), Apollonia (w), Enndlin (w), Aellin (w), Geras (w) oder Genefe (w).


Kleine Geschichte deutscher Vornamen

Als die Gesellschaft noch klein war – zu Zeiten der alten Germanen – gab es keine Vornamen und Nachnamen, sondern einzig und allein Rufnamen. Man brauchte keine Nachnamen oder Familiennamen. Der Name wurde oft leicht variiert einfach an die nächste Generation weitergegeben. Im 12. Jahrhundert änderte sich das allmählich. Es bildeten sich größere Siedlungen heraus, Gesellschaften organisierten sich. Zu den Rufnamen gesellten sich Namenszusätze, die einen Bezug hatten zu Beruf, Herkunft oder einem besonderen Körpermerkmal: Schneider, Schmid, Holsteiner, Langnese / Langnase.


Bild: © M.Dörr & M.Frommherz - Fotolia.com

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