Vornamen und Nachnamen – andere Länder, andere Sitten

Namensrecht und Namenstradition können werden in anderen Ländern teilweise völlig anders behandelt

In einem deutschen Telefonverzeichnis finden sich Nachnamen, die nach dem Alphabet geordnet einer Postleitzahl oder Stadt zugeordnet sind. Nicht so in Island. Wer hier ein Telefonbuch aufschlägt, der staunt nicht schlecht. Denn hier sind die Einträge nach dem Vornamen geordnet. Wie kann das sein? In Island gibt es keine Nachnamen bzw. Familiennamen wie bei uns. Vielmehr handelt es sich beim Nachnamen um einen Hinweis auf den Namen des Vaters. Ein prominentes Beispiel: Die Sängerin Björk hat den Namenszusatz „Guomundsdottir“, der auf ihren Vater Guomund verweist. 


Patronyme: Island kommt ohne Nachnamen bzw. Familiennamen aus

Eine ganz ähnliche Tradition findet sich in Russland. Auch dort gibt es keine Nachnamen in unserem Sinne. Familiennamen spielen im Alltag kaum eine Rolle. Dafür existieren im Russischen sogenannte Patronyme. Diese stehen immer unmittelbar nach dem Vornamen. Auch in Dokumenten kann dieser Zusatz geführt werden. Die höfliche Anrede besteht im russischen aus Vornamen und Patronym. Die Anrede mit Familiennamen ist tatsächlich eher unüblich. Das Patronym ist ein regulärer dritter Namensbestandteil. Am Beispiel des bürgerlichen Namen Lenins: Wladimir Iljitsch Uljanow (Wladimir Uljanow, Sohn des Ilja).


Patronyme, auch Vatername genannt, verweist auf den (Ruf-)Namen des Vaters

Diese Patronyme, auch Vatername genannt, verweisen auf den (Ruf-)Namen des Vaters. Namen, die auf die Mutter verweisen, werden Matronym oder Metronym genannt. Auch in Deutschland gab es diese Tradition. In Deutschland sind Familiennamen erst ab dem 12. Jahrhundert gebräuchlich. Seit dem späten Mittelalter war das Patronym weitgehend üblich und war bis in das 19. Jahrhundert vielerorts in Gebrauch. Tatsächlich finden sich viele Nachnamen, die sich aus einem Patronym entwickelt haben. So zum Beispiel typisch norddeutsche  Nachnamen mit der Endung –sen. Nils Jansen (Nils, Sohn des Jan) oder Andreas Hansen (Andreas, Sohn des Hans) – um zwei Beispiele zu nennen.


Bild: © drubig-photo - Fotolia.com

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